Faszination Blues

Blues-Musik fasziniert die Menschen weltweit. Das gängige Bluesschema ermöglicht es den Musikern, in einer beliebigen Tonart drauf loszujammen, ohne sich vorher lange absprechen zu müssen. Besonders in Deutschland und in den USA ist der Blues vertreten.

Der Blues in den USA – die Entstehung

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts lag die Musikgeschichte beinahe brach. Eine Ursache waren die gesellschaftlichen Verhältnisse, die sich von denen in Europa unterschieden. Die Gründung einzelner Kolonien von europäischen Nationen verhinderten eine eigene kulturelle Identität. Außerdem musste sich der Westen erst vollständig erschließen, um eine eigenständige und sichere Gesellschaftsstruktur aufzubauen. Weitere Gründe für die späte Entwicklung des Blues waren die Rassentrennung, Sprachbarrieren und der Mangel an nationalem Liedgut.

Der Berufsmusiker

Der Beruf des Salonmusikers entstand nach Ende des Sezessionskrieges, als viele Sklaven in die Industriezentren des Nordens ziehen konnten. Ausgemusterte Instrumente der Militärkapellen wurden gekauft und förderten die Entwicklung kleiner Bands in den Zentren Chicago und New Orleans. Ragtime und Jazz entwickelten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts und waren ursprünglich als Tanzmusik konzipiert.

Technik macht es möglich

Die Musik konnte sich durch technische Innovationen wie das Fernsehen und den Rundfunk schnell verbreiten. Der im Jahr 1877 entwickelte Phonograph trug ebenfalls dazu bei und die Einführung des Tonfilms erfüllte ihren Zweck. Das Theater geriet dadurch in den Hintergrund. Ab den 1890er Jahren wurden Notenblätter, in Form von Song Sheets und Liederbüchern – den sogenannten Song Books – gedruckt, sodass die 'Rags' sich als Schlager der damaligen Zeit schnell verbreiten konnten.

Mainstream und Kommerzialisierung

Trotz der nun fortschreitenden Entwicklung des Blues hatten klassische Stücke Vorrang.

So mussten die Lieder über das Verlagswesen in Europa zunächst etabliert werden, um schließlich in den 1920er Jahren am Broadway gespielt zu werden. Schallplatten wurden in Drogerien für ein paar Cent verkauft und Abspielgeräte in Möbelgeschäften. Die erste Blues-Platte erschien im Februar 1920 von Mamie Smith und ließ die Nachfrage steigen.

Stars und Genres

Weil das Rassendenken die amerikanische Gesellschaft beherrschte, entwickelte sich die sogenannte 'Race Music' der Afroamerikaner. Spezielle Labels wurden gegründet und brachten Stars wie Bessie Smith und John Lee Hooker hervor. Auch Country Musik entwickelte sich aus den verschiedenen volksmusikalischen Stilen der europäischen Einwanderer, insbesondere der irischen und englischen ab 1923. Swing und Rock'n'Roll ließ durch Big Bands heute berühmte Musiker wie Duke Ellington, Benny Goodman und Glenn Miller wachsen. Chuck Berry und Fats Domino machten den R&B aus Chicago populär.

Idole

Die Blütejahre waren 1930 und 1950 und wurden 1960 vom Twist abgelöst. Heutzutage wird der Blues von leidenschaftlichen Musikern gefeiert, insbesondere in Deutschland. Richie Arndt, Gewinner des German Blues Awards, erzählt von seinem Zugang zu dieser faszinierenden Musikrichtung: „Letztendlich ist es immer eine Frage, womit man seine Jugendjahre verbracht hat und womit man groß geworden ist. Bei mir war es der Bluesrock. Da haben Cream, Eric Clapton und Rory Gallagher eine große Rolle gespielt, gerade, weil ich auch selber Gitarre gespielt habe.”

Die Neugierde

„Irgendwann habe ich mich dann mit der Frage beschäftigt, wo der Blues eigentlich herkommt. Die Geschichte fand ich unglaublich spannend. Die Mischung aus afrikanischer und europäischer Musik berührt mich. Auch andere Musikformen, die aus diesen Teilen entstanden sind, finde ich faszinierend, beispielsweise den Bossanova aus Brasilien. Das triggert etwas bei mir, das kann ich gar nicht in Worte fassen.”

Einflüsse

„Einerseits höre ich sehr unterschiedliche Musik, andererseits versuche ich mich mit archaischem Blues zu beschäftigen, ihn zu hören und nachzuspielen, aber nicht eins zu eins und schon gar nicht auf der Bühne. Ich versuche immer, etwas Eigenes draus zu machen. Trotzdem inhaliere ich die alten Sachen.”

Eine Reise verändert alles

„2014 war meine erste Reise in die USA. Es war eine Art Pilgerreise. Ich habe den Mississippi besucht, mir die Lebenssituaton der Menschen dort angesehen, bin in Blues-Museen gegangen und habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Daraus entstand ein Hörbuch mit dem Titel 'Mississippi - Songs Along The Road'. Damit toure ich durch ganz Deutschland, bin sehr erfolgreich und spreche ein ganz anderes Publikum an, als ich es von meinen Konzerten gewohnt bin. Reisende, die sich neben Blues auch für Rock'n'Roll, Jazz und Gospel interessieren. Ich zeige Bilder über eine Beamer, erzähle von der Reise und singe Songs. Diese Reise hat mich verändert und der Input stark beeinflusst. All meine Preise habe ich erst nach dieser Reise bekommen.”

Das ganz normale Leben

Auch Jürgen Schildmann aka Greyhound George Jürgen Schildmann alias Greyhound George, leidenschaftlicher Blueser und Gewinner der Internationalen Blues Challenge, verrät uns, was ihn am Blues so fasziniert: „Der Blues ist das ganz normale Leben, eins zu eins in Musik übersetzt. Vor über hundert Jahren von der bettelarmen schwarzen Landbevölkerung in den amerikanischen Südstaaten 'erfunden' wird er auf der ganzen Welt sofort verstanden.“

Neue Elemente

„Im Laufe seiner Entwicklung hat der Blues immer wieder neue Elemente in sich aufgenommen. In den zwanziger Jahren wurde er mit Jazzbands gespielt, in den 1940ern kamen Schlagzeug und verstärkte Gitarren dazu. B.B. King und seine Generation nahmen das Singlenoten-Spiel der Jazzgitarristen und die vollen Arrangements der Soulmusik in ihre Musik auf.“

Blues bleibt Analog

„Hardrock und Punk kamen in der sechzigern und siebzigern dazu. Nur mit den Loops und computergenerierten Sounds von heute tut sich der Blues schwer, weil diese seinem direkten und spontanen Charakter widersprechen. Indie-Rock und moderne Singer Songwriter Elemente sind dagegen längst beim Blues angekommen.“

Blues ist der Ursprung

„Anders herum haben seit dem Erscheinen des Blues fast alle Musikformen Elemente davon in sich aufgenommen. Angefangen beim Jazz, Swing, Rock´n´Roll, Soul, Gospel, Rock, Pop, Reggae, Funk –  überall ist der Blues das 'ehrliche' und frische Element in der Musik. Selbst Motörhead haben sich als Bluesband verstanden! Mag der Blues in reiner Form für manchen Mitteleuropäer vielleicht unerträglich sein, so ist er doch in verdünnter Dosis überall gegenwärtig! Manche Musik wird eher steif und pathetisch, wenn man die Blueselemente wegnimmt (Rockmusik – Blues = Rammstein).“

Persönlichkeit

„Um Blues zu spielen kann man so viele Tonleitern üben, wie man will, am Ende kommt es nur auf die musikalische Persönlichkeit des Spielers an. Das 12-taktige Bluesschema ist eher eine Erfindung der Jazzmusiker, um das Zusammenspiel bei Jamsessions zu erleichtern. Die Mehrheit der Bluessongs klingt zwar so ähnlich, ist aber doch irgendwie anders. Eine Blues-Coverband ist ein No-Go. Selbstverständlich kann man Titel anderer Interpreten spielen, aber eine reine Kopie ist kein Blues.“

Eine alte Bluesman-Regel

„Eine alte Bluesman- Regel sagt: 'Spiele keinen Ton, den du nicht hören kannst und singe nichts, von dem du nichts weißt!' Joe Bonamassa ist also kein Blueser. Auch wenn der Blues aus dem Elend geboren wurde, ist er doch niemals weinerlich und mutlos. Der Blues ist meistens eher eine 'Musik gegen den Blues'. Blind Willie McTell hat mal dieses gesungen:

'white man went to the river, take a seat and settle down
blues overtakes him he jumps in the river and drown
black man went to the river take a seat and settle down
he takes the blues and goes back to town'

Keine Frage, wer von den Beiden der Bluesman war.“

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