Kultstatus Kassette und Vinyl

Abspielmöglichkeiten für Musik gibt es mittlerweile zu Hauf. Es werden im Folgenden die antiken und dennoch populären Kult-Tonträger wie Kassette und Vinyl vorgestellt. Sowohl die Vinyl als auch die Kassetten-Umsätze steigen wieder. Nur Nostalgie oder steckt mehr dahinter?

Nostalgie und Gegenwart

Tonaufzeichnung – Vorläufer und die Erfindung der Schallplatte

Der Phonoautograph wurde im März 1857 vom Franzosen Édouard-Léon Scott de Martinville als Patent angemeldet. Ein großer Trichter, deren Membran Schwingungen auf eine Schweineborste übertrug, kratze sie auf eine rußgeschwärzte Walze. Dadurch wurden die Schwingungen sichtbar. Thomas Alva Edison ermöglichte es, diese Schwingungen mithilfe seines im Jahr 1877 patentierten Phonographen hörbar zu machen. Dabei wurden die Töne in eine Zinnfolie geritzt und später auf einer Phonographenwalze mit wendelförmiger Tonspur gespeichert. Diese Höhenschrift bedient sich nach dem Prinzip der Amplitudenauslenkung und nutzt ebenfalls die Technik der Membran und des Trichters. Emil Berliner erfand daraufhin auf Basis dieser Vorläufer die Schallplatte und meldete sein Patent am 4. Mai 1887 an. Am 25. Oktober desselben Jahres entstand dieses Zink-Positiv mit einem Durchmesser von 28 cm und einer Spieldauer von vier Minuten. Weiterentwicklungen waren die von Werner Suess erfundene Zink- oder Kupferplatte, die mit Wachs überzogen wurde. Zelluloid und Hartgummi waren weitere, eingesetzte Materialien.

Das Tonbandgerät und die Kompaktkassette

Der Vorläufer der Kassette ist das Tonbandgerät. Theoretische Vorarbeiten aus den Jahren 1878 und 1888 führten zu diesem Aufzeichnungsverfahren. Seit den 1950er Jahren entwickelte sich das Tonbandgerät für den Heimbereich, wenn auch als sehr kostspielig. Steigende Qualitätsansprüche wurden durch Stereophonie, Spuranlagen und mehrere Bandgeschwindigkeiten gewährleistet. Auch Mehrspurtonbandgeräte mit vier und acht Spuren entwickelten sich hin bis zu 24 und 32 Spuren, sodass mehrere Tonquellen gleichzeitig aufgenommen werden konnten. In den 1960er Jahren wurden sie günstiger, leichter und kompakter. Viele Haushalte konnten es sich nun leisten, Tonbandgeräte einzuführen. Viele Modelle ermöglichten auch eine unterschiedliche Preisspanne von 250 bis zu 2000 DM. Neue Tonköpfe, Rauschminderung und weitere technische Verbesserungen optimierten die Wiedergabe von Informationen, Dokumentationen und Musik. Heute gibt es kaum noch Tonbandgeräte, weil sie nicht mehr eingesetzt werden und weil am 28. August 1963 wurde die Kompaktkassette von Philips auf der 23. großen, deutschen Funk-Ausstellung vorgestellt. Sie ist etwas robuster als die kratzempfindlichen Schallplatten und CDs, doch vor hoher Feuchtigkeit muss man sie schützen. Das Gehäuse der Kassette schützte nun anders als beim Tonbandgerät. Hörbücher, Mixtapes aus den 1990er Jahren und auch Demobänder aus dieser Zeit erfreuten sich an dem Medium Kassette, doch seit den 2010er Jahren werden diese Geräte nur noch selten gebaut. Erst seit der Mitte dieser Dekade gewinnt sie wieder an Bedeutung im Independentbereich.

Material, Format und Spieldauer der Schallplatte

Zinkplatten mit der Pressmasse Zelluloid und Hartgummi gehörten in den Jahren 1888 und 1889 zu den Materialien, aus denen eine Schallplatte gepresst wurde. So wurde der Durchmesser der Platten im Jahr 1894 auf zehn Zoll festgelegt, was einer Größe von 25,4 cm entspricht. Die Berliner Gramophone Companywar dafür verantwortlich. In den Folgejahren kamen Schieferpulver, Baumwollflock und Schellack zum Einsatz. Letzteres markierte die Geburt der Schellackplatte, denn ihre Klangqualität und Haltbarkeit war besser. Nach zahlreichen Versuchen, Entwicklungen und Optimierungen der Schallplatte setze sich in den 1950er Jahren der Plattenspieler in den Haushalten durch. Seine Nadel wird heutzutage beispielsweise mithilfe eines Lasers abgetastet. Formate der Schallplatte sind die Single, die 10''Single, die Maxi-Single, Die Extendend Play (EP), die Long Play oder Langspielplatte (LP) und auch seltene Zwischenformate mit den Durchmessern 2, 4, 5, 6, 8, 9, und 11 Zoll. Alle Formate unterscheiden sich in ihren Durchmessern, der Größe des Mittellochs, der Abspieldrehzahl und der Spieldauer. Die Spieldauer ist von der Lautstärke der Platte abhängig. 28 Minuten sind möglich, doch je lauter der Inhalt eingraviert ist, desto kürzer ist die Zeit. Außerdem gibt es unterschiedliche Plattenschriftarten wie die Tiefenschrift oder Vertikalschrift, die Seitenschrift, Die Flankenschrift und das Rheinische Füllschriftverfahren. All diese Schriftarten sind unterschiedliche Gravurverfahren mit unterschiedlichen Dynamikbereichen.

Unterschiede zur Technik der Schallplatte – Früher und Heute

Die Schallplatte erlebt schon seit vielen Jahren ein Comeback. Ein voller und warmer Klang ist der klare Vorteil dieser Art, Musik zu hören. Liebhaber älteren Semesters können sicherlich noch über ihre alten Schallplattenspieler Meisterwerke hören, doch neu gekaufte Abspielgeräte weisen viele Unterschiede auf. Riemenantrieb oder Direktantrieb sind bei neuen Plattenspielern ein Unterscheidungsmerkmal. Beim Riemenantrieb sind Motor und Plattenteller von einander entkoppelt und haben eine bessere Soundqualität, doch ihr Drehmoment ist geringer. DJs nutzen daher lieber Direktantrieb. Dabei wird der Teller direkt vom Motor angetrieben und die Platte erreicht ihre Geschwindigkeit ohne Verzögerung, damit bei zwei Songs die unterschiedlichen Takte direkt ineinander übergehen können. Das Tonabnehmersystem entscheidet ebenfalls über die Qualität des Sounds. Ein freischwingendes Eisenteil wird beim Abtasten der Rille zwischen mehreren Spulen bewegt und benennt die Moving Magnet Technologie. Die Nadel ist bei dieser Technologie austauschbar. Bei der Moving Coil Technik ist die Klangqualität höher. Der Nadelträger wird mit seinen Spulen in einem stabilen Magnetfeld bewegt und erzeugt durch Abstandsänderungen elektrische Spannungen. Die Aufzeichnung des Schalls in einer spiralförmigen Rille erfolgt mechanisch und gehört zu den Nadeltonverfahren.

Vinyl und Compact Disc

Seit der Einführung der Compact Disc, also der Audio CD, erlebte die Schallplatte in der Mitte der 1980er Jahre einen Rückgang an Produktionszahlen und Verkäufen. Nachteile bei Schallplatten und deren Tonaufzeichnungen sind harmonische Verzerrungen wie die Erzeugung künstlicher Oberwellen, also mehr Brillianz in den hohen Frequenzen. Außerdem können nichtlineare Verzerrungen aufgrund von geometrischen Abtastverzerrungen entstehen. Auch ein nichtlinearer Frequenzgang ist von Nachteil, denn bei ihm werden manche Bereiche überbetont und andere zu leise abgespielt. Diese Nachteile sind bei einer Audio-CD nicht vorhanden, weil ihre Abtastung linear verläuft. Grundrauschen und Dynamikverlust bleiben ebenfalls aus. Doch auch die CD ist nicht fehlerfrei. Tonausfälle können vorkommen, wenn interne Fehlerkorrekturen des Abspielgerätes nicht wiederhergestellt werden können. Die Vorliebe bei den DJs für die Schallplatte basiert auf den unterschiedlichen Möglichkeiten, die Vinyl mit sich bringt. Einzelne Tracks lassen sich einfach zusammenführen und auch Scratchen ist nach wie vor eine beliebte DJ-Technik.

Weitere interessante Informationen über Vinyl und die Kompaktkassette finden Sie auf den Seiten

 

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