50 Jahre Kraftwerk

50 Jahre Kraftwerk – dieses Bandjubiläum konnte der Gründer Florian Schneider feiern. Am 21. April 2020 starb er wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag an seiner Krebserkrankung. Mensch, Maschine, Natur und die Tour de France sind Schlagworte, die jeder mit der Band Kraftwerk assoziiert. So war Florian Schneider ein Pionier seiner Zeit.  

Musikkonzepte im Kling-Klang-Studio

Die Düsseldorfer Schule

In der Nordrhein-Westfälschen Landeshauptstadt Düsseldorf gründeten Ralf Hütter und Florian Schneider die Band Kraftwerk im Jahr 1970. Drei Jahre lang spielten sie Krautrock und wechselten dann ins Genre des Elektro-Pop. Zu den ehemaligen Mitgliedern zählen Karl "Charlie" Weiss, Andreas Hohmann, Klaus Dinger und Plato Kostic Rivera am Schlagzeug, Eberhard Kranemann am Cello und Bass, Michael Rother an der Gitarre und Fernando Abrantes am Keyboard. Ralf Hütter spielt elektronische Klangerzeuger, Synthesizer, Keyboard und Vocoder und Florian Schneider ergänzte diese ebenfalls von ihm gespielten Instrumente durch Flöte, Geige und Robovox. Der Stil der Band nennt sich die "Düsseldorfer Schule". Musik-Genres wie Elektropop, Synth-Pop, Electro-Funk, Detroit-Techno und auch Hip Hop wurden durch Kraftwerk maßgeblich beeinflusst.

Kraftwerk – Der Beginn in den 1970ern

Im Jahr 1968 gründeten Ralf Hütter und Florian Schneider die Vorläufer-Band von 'Kraftwerk' und tauften sie 'Organisation' als Kurzform für 'Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer Musikkonzepte'. Nach dem einzigen Album dieser Band mit dem Titel 'Tone Float' richtete sich das Duo ihr Tonstudio namens 'Kling-Klang-Studio' ein und produzierten ihr Debütalbum im Sommer des Jahres 1970. Am Schlagzeug saßen Klaus Dinger und Andreas Hohmann. Als Titeltrack wurde 'Ruckzuck' für die Sendung 'Kennzeichen D' bekannt. Das gesamte Album stieg auf Platz 30 der deutschen LP-Charts. Die Besetzungen der Band wechselten, bis im Januar 1972 das Album 'Kraftwerk 2' veröffentlicht wurde. Ein Jahr später gründeten Ralf Hütter und Florian Schneider den Verlag 'Kling-Klang' und produzierten das dritte Album mit dem Titel 'Ralf und Florian'. Alle drei Alben standen unter dem Stern der akustischen und experimentellen Musik. Ab 1973 wurden Pop-Elemente integriert. So entstand das Album 'Autobahn' und wurde durch Melodie-Fragmente und Soundeffekte geprägt. 1975 folgte das Album 'Radio-Aktivität' und landeten im Frühsommer 1976 einen wochenlangen Nummer-Eins-Hit in den französischen Charts. Im selben Jahr noch folgte das Album 'Trans Europa Express', das von den Reisen des Gründer-Duos inspiriert und im Frühjahr 1977 veröffentlicht wurde. Der Titelsong 'Trans Europe Express' beeinflusste beispielsweise den amerikanischen Hip-Hop-DJ Afrika Bambataa. Im Fernsehen hingegen zeigte sich die Band erst wieder im März 1978 und prägte durch ihr im April erschienenes Album 'Die Mensch-Maschine' Musikstile der Zukunft. Depeche Mode und Ultravox orientierten sich an diesem Sound. Auch David Bowie, 'Björk', 'Duran Duran', 'Joy Division', 'Rammstein' und 'New Order' wurden von Kraftwerk beeinflusst.

Kraftwerk im Verlauf der Jahre

Das 1981 erschienene Album 'Computerwelt' ist der Vorläufer für die Musik-Genres Electro und Techno. So stellte die Band ab den 1990ern ihr Archivmaterial im 'Kling-Klong-Studio' auf digital um und bot mit Roboter-Bühnenshows extravagante Konzerte. In diesem Stil entwickelte sich 'Kraftwerk' mit unterschiedlichen Besetzungen, zahlreichen Shows und weiteren Konzeptalben, die wieder Bezüge zwischen Frankreich und dem Radsport herstellten. Eine Welttournee im Jahr 2004, die Grammy-Nominierung 2005 in der Rubrik 'Best Electronic Dance Album' und eine mehrkanalige 3D-Videoinstallation im Kunstbau der städtischen Galerie im Lenbachhaus gehören zu weiteren Meilensteinen der Band. Im 'Museum Of Modern Art' in New York spielten 'Kraftwerk' zu jeweils einem ihrer Alben ein Konzert. Technik ist ein Charakteristikum der Band, weil sich Ralf Hütter als Musik-Arbeiter und die Arbeit der Band als System und Maschine beschreibt.

Auch aufgrund der geografischen Nähe waren Schneider und sein Kollege Hütter häufig in Belgien, Frankreich, Holland und der Schweiz unterwegs und fühlten sich „auch in diesen Ländern zu Hause“. So wurden auf dem Album 'Radio-Aktivität' einige Lieder zweisprachig gesungen. Ab dem Album 'Trans Europa Express' erschienen die Alben zweisprachig. Japanisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Polnisch und Russisch waren weitere Sprachen, in denen die Band bei Live-Auftritten sang.

Auch in Frankreich wurde die Band gefeiert, sodass sie zum Grand Départ der Tour de France 2017 ein Open-Air Konzert in ihrer Heimatstadt Düsseldorf spielten. Das von Emil Schult gemalte Albumcover einer Autobahn gab der Band ein besonderes Image, das das französische Publikum faszinierte. Fernab vom Jazz, Rock'n'Roll und Blues entstand also der Krautrock. Doch 'Kraftwerk' hielten sich von strikten Kategorisierungen fern.

Florian Schneider – Ein Pionier seiner Zeit

Bereits vor der Gründung seiner Band Kraftwerk spielte er in der Band "Pissoff" Flöte. Erst bei Kraftwerk schufen er und sein Kollege Ralf Hütter neue Klangkonstrukte aus eingängigen Melodien, Synthesizern und Gesang. Perfekte Klänge, das ausweiten der technischen Möglichkeiten und epische Songlängen ließen die Band weltberühmt werden. So dauert der Song 'Autobahn' 22 Minuten und 30 Sekunden.  "Techno Pop" nannte Schneider die Richtung, in der er sich einordnete. Eine Versöhnung zwischen Menschheit und Natur wurde zum Thema und wurde bis hin zu ihrer veganen Ernährungsform deutlich. Als Pionier seiner Zeit wollte Florian Schneider auf individuelle Art und Weise neue, musikalische Wege beschreiten. Individualismus wurde also groß geschrieben und so orientierte sich Schneider an Berühmtheiten der Geschichte wie zum Beispiel Sergej Eisenstein, Fritz Lang, Kurt Schwitters, Joseph Beuys und James Brown. Der Dadaismus und Futurismus beeinflussten Schneider ebenfalls. Fernab des Starkults stand Schütters Konzept der "Entpersonalisierung".  

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Bildquelle: The photo comes from the collection of Kraftwerk photos made by Ueli Frey (CC BY-SA 3.0)